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2011 ist es soweit – zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Freiburg kommt ein Papst zu Besuch. Nicht irgendein Papst, nein, Herr Ratzinger, gar ein deutscher Papst. Unter dem Motto „Wo Gott ist, da ist Zukunft“. Grund zu grenzenloser Freude in Freiburg, sollte man meinen.
Tatsächlich jedoch schwanken die Reaktionen zwischen Freude, Desinteresse und schlichter Wut, wenn auch aus den unterschiedlichsten Motiven. Ganz unbestritten ist es für die Angehörigen einer Religion immer ein besonderes Ereignis, wenn ihr höchster Kirchenvertreter auf Erden die Stadt besucht. Das war vor einigen Jahren beim Dalai Lama nicht anders. Anders war es, was den Wirbel darum herum anging. Da wurde nicht deutschlandweit plakatiert, da gab es keine Souvenirs – und vor allen Dingen blieb Freiburg, was es immer ist. Eine freie und liebenswerte Stadt. Nun aber nimmt dieser Papstbesuch und das gesamte Programm darum herum Auswüchse an – die es mir, bei allem Verständnis und aller Toleranz, wirklich schwer machen, das ganze als katholisches Erlebnis in Freiburg willkommen zu heissen.
Leider habe ich die berühmte A-Karte gezogen und wohne sehr zentral. So zentral, dass sämtliche Strassen um mein Haus herum, an diesem Wochenende des Papstbesuches zu grossen Teilen für den Verkehr gesperrt sind. Shuttlebusse für die Pendler, das war es.
Die berühmten „Roten Zonen“ (Hochsicherheitszonen während des Papstbesuches), die große Teile der Innenstadt und rund um die Gegend von Flugplatz und Messe betreffen, die darf man nur zu Fuss betreten. Ich kann also teilweise weder den öffentlichen Personennahverkehr benutzen (komplette Überlastung sowie Ausfall einiger Strecken), ich komme mit meinem Auto kaum aus der Stadt heraus geschweige denn wieder rein. Und wenn ich alternativ mit dem Fahrrad irgendwo hin möchte – ätschbätsch, rote Zone, Zutritt nicht mal mit Fahrrad schiebend gestattet. Hinzu kommt der Umbau des Flughafengeländes, auf dem eine riesige Bühne auf dem Gelände gebaut wird, auf dem die erwarteten maximal 300.000 Pilger beherbergt werden, um „seinen“ Worten zu lauschen. Wir erinnern uns – Freiburg selber hat nur 205.000 Einwohner.
Man muss sich nur mal das Gelände anschauen um zu wissen, dass das nicht „normal“ sein kann. Es gibt gewiss viele Aspekte über die man im Zusammenhang mit dem Besuch diskutieren kann. Aber möchte man ausblenden, dass die nahezu dogmatische Linie der Kirchenpolitik des Vatikans – und zwar die letzten Jahrzehnte über – massiv von einem gewissen Kardinal Ratzinger geprägt wurden? Dass die Ablehnung von Kondomen zur Verhütung, dass die Ausgrenzung von Homosexuellen, dass die Nicht-Akzeptanz der Frau in Kirchenämtern – und nicht zuletzt der laxe Umgang mit Missbrauchsfällen von Kindern und Jugendlichen durch Kirchenvertreter – entgegen der gelebten Realität im Jahre 2011 an der Gesellschaft vorbeigehen? Gut, dass ist zunächst ein „innerkirchliches“ Problem.
Es wird für mich nur dann zu einem Problem wenn es in meine Heimatstadt getragen wird. FREIburg heißt die Stadt, in der ich lebe. Eine Stadt, deren uneingeschränkte Zuneigung zu ihr ein Markenzeichen meiner Person ist. Aber nun? Bereits Wochen vor dem Besuch wird diese Stadt durch Absperrgitter, Verbotsschilder und sonstigen Vorboten des nahenden Großereignisses geprägt. Rund um das Messegeländer gibt es vermutlich mehr Zäune als im gesamten früheren „wilden Westen“. Der Zaun zum Flugplatz ist durch Bäume und Sträucher geschützt. Auch diese wurden mit einem zusätzlichen Zaun versehen, damit ja keiner ungefragt auf das Gelände kommt. Ganz ehrlich – mir wäre das ja alles vollkommen egal, wenn es mit einem Tag erledigt wäre. So aber wird diese Stadt drei Tage lang unter dem Ansturm der Besucher infrastrukturell zusammenbrechen. Und die Verschandelung unter dem Aspekt von Sicherheit und Organisation prägt die Stadt leider auch nicht nur drei Tage sondern eher drei Wochen. Insofern kann ich die Bürger-Initiative „FoP“ (Freiburg ohne Papst) gut verstehen, wenn sie den Besuch in Freiburg ablehnen.
Jetzt habe ich eigentlich viel zu viel geschrieben, kommen wir also zu den Bildern. Zunächst einmal ein paar Impressionen der letzten Tage, wie Freiburg sich derzeit „entwickelt“, insbesondere am Flughafen-/Messegelände und in der näheren und weiteren Umgebung darum herum. Dazu ein paar wenige Bilder der ersten Demonstration gegen den Papstbesuch. Gut, die Teilnehmer waren in Minimalstbesetzung erschienen. Es bleibt die Frage, wie dies am Besuchswochenende selber aussieht. Schließlich wurden von den Behörden bisher bundesweit noch keine Demos gegen den Papstbesuch in Deutschland genehmigt. Und auch die vier Infostände in der Freiburger Innenstadt wurden seitens des Rathauses auf ihre eklatante Gefährlichkeit offensichtlich lange lange geprüft. Aber nun gut, das Wochenende wird kommen, das Wochenende wird vorbeigehen. Und selbstverständlich werde ich die eine oder andere fotografische Impression des Ganzen hier auch zum besten geben. Viel Spaß dabei.
Freiburg vor dem Papst-Besuch
Demo und Freiburg während des Papstbesuchs
Freiburg am Sonntag
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